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XJ 600: Ein Pferd ohne Namen
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PKR
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BeitragVerfasst am: Mo Sep 05, 2016 4:00 pm    Titel: XJ 600: Ein Pferd ohne Namen Antworten mit Zitat

Was ist das hier?
Ein Sammelthread für alles, was mir an Kurzgeschichten und technischem Getöne rund um mein Motorrad einfällt.

Was soll das mit dem Titel?
Viele Leute geben ihrem Motorrad Namen. Mir fällt einfach keiner ein.

Gehts jetzt los?
Klar, klar. Keine Hektik!


Hinterradaufhängung - Von Elend und Licht am Horizont
Ein schönes Frühjahrswochenende, lang, mit Feiertagen. Ich halte mich, 6 Mm nach Kauf der XJ und einem durchfahrenen Winter, für einen ganz ordentlichen Fahrer. Nicht sehr schnell unterwegs, aber doch ganz passabel, und auch in den Kurven kein Schleicher.
Einen Tag und gefühlte tausend Tode später bin ich anderer Meinung.

Was ist passiert? Eine "gemütliche" Gruppenausfahrt von einer Motorradfreizeit aus. Die weiteren Motorräder der Gruppe: 2x ZX-9R, CBR 600 RF, CBR 400 RR, irgendwas nacktes, größeres von KTM und noch weitere. Mindestens ein Fahrer mit Rennerfahrung.
Das Ortsausgangsschild hinter uns, und vor mir werden die Vordermänner immer kleiner. Die XJ gibt alles, die 10.000 Umdrehungen werden vor jedem Schaltvorgang geknackt, aber das reicht nicht. Lange nicht. Tacho überschreitet die hundert, hundertzwanzig, hundertvierzig. Kurve in Sicht! An deren Ende: Alle, die nicht hinter mir festhängen, und ich bremse erstmal. Trotzdem kommt das Heck in der Kurve ins Wanken und Wabbeln, dass immerhin mein Puls jetzt "SuperSport" ist. Ich, vorher noch nie in der Gruppe unterwegs gewesen, vollkommen planlos zwischen "Du darfst nicht abreissen lassen!" und "So schnell kann ich nicht!". Ist aber auch egal, denn die Wahl ist Leben (lass die anderen fahren) oder Tod (versuch dranzubleiben und flieg aus der Kurve in Leitplanke/Auto/Baum). Da ich noch tippen kann, musste der Rest eben auf mich warten.
Meinen Fahrspaß an diesem Tag könnte man bequem durch eine Leerlaufdüse ziehen. Was bleibt, sind diverse Erkenntnisse:
Mein Motorrad kann nix.
Ich kann auch nix, wahrscheinlich auch weniger, als die XJ hergäbe.
Irgendwas stimmt da nicht, wenn das Heck so dolle wackelt - denn das lag nicht an mir.

An den nächsten Fahrtagen wiederhole ich meinen gröbsten Fehler zum Glück nicht wieder, stattdesse fahre ich mit Leuten, die ähnlich zügig unterwegs sind wie ich. Hier bin ich immerhin schon unteres Mittelfeld, und wenn ich nicht das Gefühl habe, alle auszubremsen und dafür noch belächelt zu werden, läuft es schon viel besser. Zwei Tage später ist Ende, und ich weiß, dass ich in den letzten drei Tagen einen Lernsprung gemacht habe wie höchstens damals in der Fahrschule.
Und ich weiß, dass die Aufhängung hinten dringend überarbeitet werden muss.

Etwas später, in Eddies Bastelbude: Diagnose klar, Hinterradlagerung schwergängig wie Sau. Lenkkopflager auch zu fest. Letzteres wird passend gelöst, ersteres muss noch warten.

Ein paar Wochen später habe ich, in der Garage eines wohlbekannten Forenmitglieds aus der Eifel, das Elend dann vor mir: Die Schwingenlager sind noch gut in Schuss und Fett ist auch noch vorhanden...

...aber bei allen Bolzenlagerungen schreit mich das Elend schon an.


Schleifen, schleifen, putzen, fetten... und seitdem habe ich eine neue Maschine! Vorher fuhr es sich bretthart am Hinterrad, als ob man in einem tiefergelegten Bastelgolf säße, aber mittlerweile sehe ich Schlaglöchern gelassen entgegen. Es lohnt sich!

Wobei, so schön es auch klingt, das Wackeln jetzt immer noch nicht weg ist, es tritt nur später auf.
Zeitsprung: Einen Monat nach der Überholung, einige Teilnehmer sind die gleichen wie in der Geschichte am Anfang. Schauplatz: Überlandstraße, zweispurig, gut ausgebaut, lange, lange, lange Kurve. Bei etwa 130 km/h wird es wieder unangenehm hobbelig. Dieses Mal nehme ich die Geschwindigkeit nicht sofort zurück, will mal wissen, wie es sich verhält. Schlimmer wirds nicht, aber besser auch nicht, und sicher fühlt es sich auch nicht an. Die Mitfahrer vermuten ein unter- oder überdämpftes Federbein (eins von beiden, weiß aber nicht mehr, was es war. Denke mal unterdämpft).
Kein wirklichs Ende der Geschichte, aber immerhin ein Schritt nach vorne. Dennoch, meine Vorstellung, mit der XJ irgendwann mal auf die Renne zu gehen und mit dem Knie auf dem Boden dem Motor Dauerfeuer zu spendieren, hat eine deutliche Delle bekommen. Mal sehen, wie es sich entwickelt. Zwei Sachen gibts noch in der Trickkiste...


Ey, das hab ich doch schonmal irgendwo in anders gelesen!
Sicher. Da hab ich damals nen Thread zu gemacht. Hier gehts mehr ums Geschichten erzählen.
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Grüße, Fritz,
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WeDoTheRest
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BeitragVerfasst am: Di Sep 06, 2016 6:41 am    Titel: Antworten mit Zitat

Nett geschrieben. Ich denke mal, mit diesen Erfahrungen bist Du nicht alleine.
Und ich bin sicher dass Du die XJ bis zum knieschleiftauglichen technischen Zustand bringst. Ansatzpunkte sind
- Gabel komplett überholen (neue Federn, das richtige Öl und korrekter Ölstand)
- ein ordentliches Federbein hinten (so was soll's wirklich geben Very Happy )
Wenn dann noch Schwingen- und Lenkkopflager in Ordnung sind und gute Reifen drauf sind.........
Zu guter letzt......... Um genau zu wissen was ein Motorrad kann ( und das ist meist viel mehr als der Fahrer) reicht kein halbes Jahr. Ich behaupte mal 2-3 Jahre dauert das bis man sein Moped richtig kennt. Auch im Winter zu fahren ist da sehr hilfreich (und Spass macht's auch noch wenn man nicht immer grüßen "muss"). Irgend wann kommt dann der Moment wo Du in einer, vielleicht verzwickten, Fahrsituation bist und genau weisst was wo wie passiert und das die Lösung des Problems an Dir liegt (nicht am Moped) und entsprechend reagieren kannst. Very Happy
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Gruß, Jörg
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XJ-Eddie
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BeitragVerfasst am: Di Sep 06, 2016 12:25 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Schöne Geschichte. Und schön, hier unter schreibfähigen Menschen zu sein.
Aber Vorsicht. Meine Erfahrung bei jedem Motorradwechsel ist, gerade, wenn ich glaubte, jetzt hast du´s im Griff, gab es gefährliche Situationen. Wie das immer gutging, kam mir jedesmal erst hinterher.
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PKR
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BeitragVerfasst am: Di Sep 06, 2016 3:39 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Jörg: Grüßen tu ich sowieso nur mit zwei Fingern, die sich ein paar Zentimeter über den Kupplungshebel bemühen. Seit ich eine zeitlang täglich unterwegs war (und wieder sein werde), hab ich mir das mit Arm-raushalten abgewöhnt.
Eddie: Jau! Geschichten lesen ist schön, schreiben auch.

Und keine Sorge von wegen Motorradwechsel - ist mein erstes über 125 cm³, also einfach keine Vorerfahrung. Damals war ich reiner Zweckfahrer, also kein Fokus auf Kurvengeschwindigkeit oder sonstwelche Späße.

Ich denke aber doch drüber nach, mir nicht vielleicht noch ne zweite XJ zu verschaffen. Ich habe mittlerweile so viele Bastelideen, dass viele davon auch mehr als ein Wochenende Zeit erfordern würden. Ich könnte zum Beispiel eine XJ voll alltagstauglich weiterrüsten, und die zweite Richtung Hochleistung trimmen... hachja, man träumt ja gern.
Erstmal Knete scheffeln dafür.
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Grüße, Fritz,
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SiRoBo
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BeitragVerfasst am: Di Sep 06, 2016 4:34 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Für die Renne gibt es definitiv bessere Alternativen als ne alte XJ. So was wie ZX6R und Konsorten bekommt man ja auch hinterher geschmissen, für die Renne geht's ja auch optisch total abgefuckt und runter geritten. Das ist dann mMn definitiv die bessere Variante. An der XJ musst Du da einfach zu viel machen: Schwinge versteifen, andere Gabel reinpflanzen und dann bleibt auch immer noch der weiche Rahmen. Wink

Trotzdem schön, wie Du Dich um die alte Technik sorgst.

Ich glaub ich brauch auch mal ein Bastelmotorrad, aber mit Entschleunigungscharakter. Weil selbst mit der XJ kann ich's nicht lassen mit der hohen Kurvengeschwindigkeit. Falscher Motor, zu wenig Dampf aus dem Keller... Wink
Aber jedem das, was er so braucht. Cool
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Simon

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PKR
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BeitragVerfasst am: Di Sep 06, 2016 5:15 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Es wird immer ein besseres Motorrad mit besserem Fahrwerk und mehr PS und mehr Handlichkeit geben. Die Grenze ist immer verschieblich, und man ist nie der Erste. Und das ist ja zum Glück Hobby, also keine betriebswirtschaftliche Rechnung mit Euro pro verbesserte Rundenzeit oder so.

Ich träume ja schon irgendwie von einer selbst laminierten Vollverkleidung mit Ram-Air, geänderter Airbox, Flachschiebervergasern, bearbeitetem Ansaugtrakt und erhöhter Verdichtung...
Das ganze natürlich mit ordentlicher Gabel vorn und nem schicken Federbein hinten.

...merkt ihrs? Es ist schon länger nix gravierendes mehr an der XJ kaputtgegangen. Sonst würde ich nicht so hochgestochen fantasieren Very Happy
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Joe Ka
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BeitragVerfasst am: Di Sep 06, 2016 5:24 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Yay ein Projektthread :D

Ich verfolge sowas ja gerne, da kann man sich immer wieder mal was rausziehen, an das man so noch gar nicht gedacht hat.

Ja, kompetiv denke ich auch als erstes gegenüber mir selbst, andere sind da eher relativ.. Geht nicht darum schneller als andere zu sein, geht darum für sich selbst zu lernen :D

"Es ist schon länger nix gravierendes mehr an der XJ kaputtgegangen. Sonst würde ich nicht so hochgestochen fantasieren" .. genau das xD

@Simon
Das mit dem Entschleunigungscharakter ist so ne Sache..
Als ich die ersten paar Tage mit dem 160er Reifen auf der Diva gefahren bin hatte ich mich noch genau darüber gefreut.. Inzwischen ist der Spritverbrauch wieder auf das Level von vorher gestiegen..
Bevor ich den richtigen Schein hatte fuhr ich ne 125er Chopper.. selbst da, was ging wurde gemacht..
Ich bin auch ganz froh keine Enduro mehr zu haben, da hab ich auch immer weiter gemacht.. Brems- & Kupplungshebel als Verschleißteil zu bezeichnen wäre noch eine beschönigung..

Wie heißt es so schön.. Neugierde ist der Katze Tod..
(langsam finde ich, ich bin in der Beziehung ein wenig ein Depp, vielleicht ist das ein Schritt zur Entschleunigung.. verdammter Hedonismus xD )

In Österreich hat es recht gut funktioniert, da war mein Spritverbrauch nie über 5,5L/100km.. Hatte aber auch immer Koffer dran.. Kaum zurück in Deutschland musste ich mich wieder zügeln..
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BeitragVerfasst am: Mi Sep 07, 2016 7:02 am    Titel: Antworten mit Zitat

SiRoBo hat Folgendes geschrieben:

Ich glaub ich brauch auch mal ein Bastelmotorrad, aber mit Entschleunigungscharakter.


Wie wär's mit 'ner leichten, älteren Enduro à la XR, DRZ o.ä.?
Die hebst Du nach dem wegrutschen in der Kurve einfach auf, fährst weiter und hast immer was zum basteln. Cool Very Happy
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Gruß, Jörg
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netter Mann
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BeitragVerfasst am: Mi Sep 07, 2016 1:51 pm    Titel: Antworten mit Zitat

WeDoTheRest hat Folgendes geschrieben:

Wie wär's mit 'ner leichten, älteren Enduro...?
Die hebst Du nach dem wegrutschen in der Kurve einfach auf, fährst weiter und hast immer was zum basteln. Cool Very Happy




Very Happy Very Happy Very Happy


Nee, im Ernst, Fritz: Du hast hier einen sehr unterhaltsamen Trööt aufgemacht und ich freue mich, Deine Schreibe weiter zu verfolgen. Cool
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PKR
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BeitragVerfasst am: Mi Sep 07, 2016 6:34 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für die Blumen, die Herren Smile
Es geht auch gleich weiter, mit der nächsten Episode. Viel Spaß beim Lesen!

Im Tank - Der mysteriöse Gegenspieler

April 2016: Schon lange habe ich das Gefühl, das Motorradfahren irgendwie nicht so sportlich ist, wie ein Hobbie sein könnte. Während ich so darüber sinniere, ziehe ich meinen Helm auf, die Handschuhe an und starte den Motor. Er kommt wie immer sofort und knackig, klingt aber heute irgendwie ein bisschen anders. Genau kann ich es nicht beschreiben, kein unschönes Geräusch, ein bisschen undefinierbar, und die Gasannahme ist ok, also denke ich mir, dass es vielleicht andere Laufgeräusche der Kette sind. Höhere Spannung und so, schließlich habe ich da letzte Woche, als ich die Kiste zuletzt bewegt habe, mal was nachgespannt.
Mein Motorrad schläft 100m entfernt von der Autobahnauffahrt, also hin da und sachte beschleunigen... ist der Plan. Leider bleibt ab einer gewissen Drehzahl alles Drehen am Gasgriff wirkungslos - es ist zwar hörbar, dass da Anstrengungen unternommen werden, aber es kommt nichts am Hinterrad an. Also auf den Standstreifen, Seitenständer raus, der Blick fällt auf den Boden, wo sich eine große Lache Flüssigkeit bildet und immer größer wird. Schnell den Motor abgestellt, abgestiegen, Finger rein, Nase dran: Benzin! Erstmal schlecht, denn viel Benzin + Auspuff = viel Feuer. Also schnell die Möhre etwas weiter schieben, damits nicht in der Lache steht.

Da kommt mir die Eingebung: Das ist ein Einfall des Himmels - die Geburtsstunde des KFZ-Triathlon! Fahren, schieben, schrauben, alles mit nahtlosem Übergang und wechselnder Reihenfolge.
Als Hauptsponsor bewirbt sich anscheinend gerade eine unkooperativen Versagerbank, denn aus deren linkem Belüftungsschlauch kommt die ganze Suppe herausgesprudelt. Sobald ich testweise auf PRI stelle, läuft da anscheinend im Kurzschluss direkt aus dem Tank eine saftige Menge Sprit heraus. Und tropft teilweise sogar auf den Auspuff.

Das Leid ist groß, aber den Kilometer bis nach Hause kann ich schieben, und gnädigerweise erlaubt mir ein Stück vergessene Leitplanke an der Autobahnauffahrt, direkt vom Standstreifen auf den Bürgersteig zu wechseln. Dann geht das Rätselraten los, es endete mit dem Versand der gesamten Vergaserbank an die liebe Nina (ninas-bikershop.de), die sich der Reinigung annahm.
(Es sei übrigens lobend erwähnt, das der Fahrer eines hergerichteten Amischlittens extra für mich angehalten hat, und mir mit Starthilfespray aushelfen wollte. Passte im Endeffekt nicht zum Problem, aber die Geste weiß ich zu schätzen.)


Der 51J-Motor holt in Wirklichkeit nur 45 kW aus der Benzinverbrennung, die restlichen 9 kommen aus einem kleinen Kohlekraftwerk. Nur deswegen sieht diese Vergaserbank so dreckig aus, mir ist da nämlich beim Nachschippen etwas Kohlestaub draufgefallen.


Da liegt das Elend in den Schwimmerkammern. Schaut schon irgendwie nach Rost aus. Woher der wohl kommt?


Die Siebe vor den Schwimmernadeln. Schmock, Schmock, Schmock.


Auch vor den Sieben sieht es dreckig aus.


Etwas ZU dreckig.


Die Koni der Nadelventile sind aber noch top in Schuss und werden von Nina auf ihren Vorschlag ohne Tausch wieder eingebaut.

Was nun, denke ich mir... ich habe weder Zeit noch Geld für eine professionelle Tanksanierung. Als Sofortmaßnahme wird, von den meisten Forenteilnehmern kritisch bewertet, ein Benzinfilter zwischen Tank und Vergaserbank eingeführt.

Der kleine Racker an seinem neuen Arbeitsort. Sieht so billig aus, wie er war, funktioniert aber ganz gut. Zwölf Liter in der Stunde sind allerdings eine akute Bremse für Vollgasorgien auf der Autobahn (die ich allerdings auch bisher nicht gemacht habe).


Monate später: Ich habe mal Zeit und warum nicht mal das Problem mit dem Tank angehen? Also abgemacht, Benzinhahn runter, und... sollte der nicht... diese Röhrchen oben drauf haben? Zwei, oder so? Stattdessen hat er einfach nix. Zwei Löcher in denen vom Benzin angelöste Lackreste der Tankunterseite stecken. Das Aussehen erinnert mich an das, was weiter oben im Nadelventilsiebchen hing. Mit viel Geduld, einem Draht in der einen und der Taschenlampe in der anderen Hand fummle ich im Tank herum, um ein erspähtes Röhrchen zu extrahieren. Mit Kopfschmerzen von den leckeren Benzindüften (so fühlt sich wahre Liebe an!) gelingt es schließlich. Es scheint das lange zu sein, das kommt wohl auf... ja, welche Öffnung am Benzinhahn ist denn für Reserve, und welche für den Normalbetrieb? Ich weiß es nicht... aber zum Glück hat nur eine den passenden Durchmesser fürs Rohr.
Ich schüttle weiter, aber außer dem Füllstands-Sensor ist nichts zu hören im Benzinfass. Ein paar Milliliter Sprit wollen einfach nicht raus, und es scheint sowas wie ein kleines Steinchen drin zu sein. Wo ist denn das Feuerzeug, das will ich mal im Detail sehen...


Neiiiiin, natürlich nicht. Bilder aus dem Inneren:


Etwas wilde Schweißungen haben hier stattgefunden, aber das ist ja nicht das Thema.


Auch hier irgendwie nichts ungewöhnliches.


Und hier fehlt mir jetzt die Expertise: Ist das Rost? Habe ich das Problem gefunden? Schaut so gleichmäßig aus...

Irgendwie bin ich mir nicht sicher. Auch nicht, ob das Besprühen mit Rostlöser von der Tanköffnung her überhaupt einen Effekt haben könnte, und wie ich die Brühe dann restlos da rausbekäme. Arbeitsplanung wär mal angesagt, so vorneweg, aber dafür war ich heut zu spontan. Und verkatert, da will man nur in Ruhe schrauben.
Also das lange Röhrchen in den Benzinhahn, hoffen, dass die Originaldichtungen dicht halten, und alles wieder zusammenbauen. Neuen Benzinschlauch und kein Filter dieses mal.

So, Freunde des Zweirads, sagt mir: Was ist denn das für ne rötliche Linie? Rost? Der Feind? Oder doch nur irgendein harmloses Phänomen?
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BeitragVerfasst am: Do Sep 08, 2016 12:09 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ich glaube nicht, dass das Rost ist, denn sowas hab ich schon in neuen Tanks gesehen. In den Schwimmerventilsitzen das ist auch kein Rost. Da hat es dir Dreck aus dem Tank rein gespült, weil das Filterröhrchen nicht auf dem Hahn war. Solchen Dreck gibt es manchmal als kostenlose Zugabe beim tanken.
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BeitragVerfasst am: Do Sep 08, 2016 6:43 am    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn Du auf die ganz sichere Seite möchtest kann ich Dir nur empfehlen den Tank zu versiegeln. www.tanksiegel.de
Entweder dort machen lassen, oder selbst machen (was eine ziemliche Arbeit ist. Ist aber machbar). Die verkaufen das Zeug auch als Sets für diverse Tankgrößen. Das hier sollte reichen: http://www.horex-ammon.de/product_info.php?info=p1416
Ich hab das bei meinen beiden 900er Tanks gemacht da die im Ernstfall nicht mehr zu bekommen sind.
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BeitragVerfasst am: Di Sep 13, 2016 10:56 am    Titel: Antworten mit Zitat

WeDoTheRest hat Folgendes geschrieben:

.... den Tank zu versiegeln. www.tanksiegel.de
Entweder dort machen lassen, oder selbst machen (was eine ziemliche Arbeit ist. Ist aber machbar).


Ich bin nicht so der große Schrauber, aber ich habe das bislang an zwei Mopeds selber gemacht. Das ist - jedenfalls mit Kreem rot - kein Hexenwerk und mit einfachsten Mitteln zu machen.
Das Ergebnis ist das bisschen Arbeit wert.
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BeitragVerfasst am: Do Sep 15, 2016 6:04 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Gut zu wissen, ich notiere mir das mal. Wird aber erstmal keine große Priorität haben, denn wenn der Tank dreißig Jahre ohne ein Fitzelchen Rost überstanden hat, wird er wohl auch die nächsten zehn Jahre überstehen.

XJ im digitalen Zeitalter

Als relativ visuell angelegter Mensch kriege ich es nicht immer hin, mir Veränderungen "am lebenden Objekt" gut vorstellen zu können. Um trotzdem nicht ins Blaue hinein umbauen zu müssen, habe ich auf ein etwas älteres Hobby zurückgegriffen: 3D-Modellierung. Also bastle ich mir jetzt munter eine digitale XJ zusammen, um dann später direkt alle Veränderungen, die mir so einfallen, direkt anschauen zu können.
Ist zwar immer noch nicht die Realtiät, aber dürfte auf diverse Vorstellungsfragen ("Sieht diese Verkleidung wohl besser aus?" "Was wäre denn mit einem Rundscheinwerfer und 4-in-6-Auspuffanlage?" und so weiter...) geben.

Texturen kommen später, erstmal will ich die Geometrie fertigbekommen.

Und ich habe echt wieder Spaß an der ganzen Modell-Bastelei. Vielleicht kaufe ich mir in ferner Zukunft mal nen 3D-Drucker und dann ist es ein Kreislauf Very Happy
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BeitragVerfasst am: So Sep 18, 2016 6:17 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Jetzt auch mit Vergaserbank und Rahmen. Die wichtigsten Teile sind langsam fertig.

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BeitragVerfasst am: So Sep 18, 2016 7:25 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Und jetzt noch in Faaabe!
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BeitragVerfasst am: So Sep 18, 2016 10:25 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Holla, sehr coole Fähigkeit, die du da mitgenommen hast :D
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BeitragVerfasst am: Do Sep 22, 2016 9:13 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Dankeschön Smile

Faaabe komt, Cheffe!


Jetzt auch mit modelliertem Feder-Dämpfer-Element, Ölfilter, detaillierten Vergasern und korrekt skaliertem Motorblock. Ganz schön komplex, so ein Motor als geometrischer Körper. Zum Glück haben diverse Motorradschlachter genügend Bilder ins Netz gestellt, damit ich Vorlagen zum Arbeiten habe.
Wie ich neulich erfahren habe, wurde der Motor der XJ 600 von Yamaha unter Mitwirkung von Porsche entwickelt. War mir vorher nicht bekannt. Was mir aber bekannt war: Im Gegensatz zum 550er-Motor, aus dem der 600er entwickelt wurde, gibts kein YICS. Es scheint aber trotzdem die Gusskanäle zu geben. Ich frage mich, ob ich die abflexen könnte... dürfte ja nur überflüssiges Metall sein. Ich brauch mal nen Schrottmotor zum Spielen.


Und hier das Gesamtkunstwerk. Texturierung (das "In-Farbe-Machen") dauert leider recht lang und ist mühselig. Aber die BT45 sind schonmal aufgezogen Very Happy
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BeitragVerfasst am: Sa Sep 24, 2016 6:39 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Sooo. Mal schnell ein bisschen foliert und lackiert und ne Probefahrt auf der digitalen Schnellstraße gemacht!

Ich seh grad, auf dem Bild ist die Sitzbank ein wenig verrutscht Surprised
Die Schachbrettlackierung wird übrigens noch durch das Original ersetzt.
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BeitragVerfasst am: Sa Sep 24, 2016 9:11 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Jetzt mach aber schnell Licht an.
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